Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Noch ist der Zusammenschluss der Zentralen Dienste und des bislang städtischen Fachbereichs Tiefbau zum Eigenbetrieb Zentrale Dienste ganz frisch. Zusammen sitzt und arbeitet man nun unter dem Dach der Stadtwerke. Den vier Herren, die nun zusammen mit ihren Kollegen im Eigenbetrieb Zentrale Dienste arbeiten, und im Interview über ihr neues Team sprechen, kommt das „Wir“ schon recht leicht über die Lippen.

Jürgen Weger ist seit 2011 Technischer Werkleiter der Zentralen Dienste, Andreas Seufer, Geschäftsführer der Stadtwerke Schorndorf ist deren kaufmännischer Leiter. Weger ist nun auch für den Bereich Produktion/Betrieb verantwortlich und seit dem 1. Mai 2016 zudem als technischer Prokurist bestellt. Er ist zuständig für die Arbeit des Bauhofes, der Stadtgärtnerei und koordiniert den Bereich „Netze, Anlagen, Betrieb (NAB)“.

Umgezogen – „meinen Schreibtisch habe ich mitgebracht“ – ist Herbert Schuck. Der bisherige Leiter des städtischen Fachbereichs Tiefbau und jetzige Technische Werkleiter Planung ist seit 25 Jahren bei der Stadt Schorndorf beschäftigt. Er kann sich gut an die Zeiten erinnern, als noch jeder Ortsteil seinen eigenen Bauhof hatte. Die Zentralisierung der Bauhofleistungen in der Kernstadt, dann die Schaffung der Zentralen Dienste 2011 waren die Vorboten dessen, was jetzt mit der Zusammenlegung des Fachbereiches Tiefbau und der Zentralen Dienste weitergeführt wird.

Saßen bisher die Verantwortlichen, etwa für die Erschließung eines neuen Wohngebietes oder für die Sanierung einer Straße, in verschiedenen Häusern, nämlich dem Rathaus und den Stadtwerken, so sitzen sie nun an einem Tisch. Das beinhaltet nicht nur eine räumliche Zusammenlegung, sondern vor allem eine inhaltliche. Herbert Schuck macht dies am Beispiel eines Bebauungsplans deutlich: Bisher wurde nach der Erstellung eines Flächennutzungsplans durch den Gemeinderat ein Bebauungsplan erstellt. Dieser Plan wurde den Fachleuten bei den Stadtwerken vorgelegt, damit diese ihren Plan für die Versorgungsleitungen darin integrieren konnten.

Jetzt sitzen die Kollegen, zum Team gehören natürlich auch Kolleginnen, schon viel früher zusammen und erstellen den Plan etwa für ein neues Wohngebiet von Anfang an gemeinsam. Statt mehreren Planern, die sich dann wieder zusammenfinden müssen, liegt die Planung in einer Hand.

Thomas Schmidt ist bei den Stadtwerken Leiter der Planungsabteilung „Planung Netze, Anlagen“. Durch die Zusammenlegung ist für ihn und seine Kollegen noch der Bereich Straße und Kanal hinzugekommen. Für Thomas Schmidt zwar neue Themen, aber „die Grundlagen sind ja ähnlich“, sagt er.

In der neu gegründeten Abteilung „Tiefbau, Baukoordination, Vermessung“, die von Sören Lenz geleitet wird, bündeln sich die Aufgabenbereiche von der Ausschreibung, der Vergabe an externe Bauunternehmen und der Koordination mit eigenen Monteuren. Das Team um Sören Lenz übernimmt dabei auch die Vermessung und koordiniert die Bauabwicklung bis hin zur Abrechnung.

Planer, Ausführende und die, die für den Unterhalt zuständig sind, arbeiten eng zusammen. „Wir schauen jetzt über den Tellerrand“, sagt Thomas Schmidt. Sören Lenz, der früher in einem Planungsbüro für Infrastruktur gearbeitet hat, betont ebenfalls die Vorteile: An einer zentralen Stelle kommen nun alle Infos zusammen, „damit verkürze ich meine Planungszeit immens“. Früher musste der Planer von allen Versorgungsträgern seine Infos einsammeln, jetzt muss er „nur noch zum Nachbarschreibtisch“.

So konnte das neue Team innerhalb kürzester Zeit etwa die Ortsdurchfahrt im Teilbereich in Schlichten planen, wo seit Mitte August gebaut wird.

Der Mehrwert, der durch die Zusammenlegung gewonnen wird, zeigt sich jetzt schon bei der Erschließung des neuen Baugebietes „Auf der Au“. „Mit der Erstellung des Bebauungsplanes erstellen wir unsere Pläne und stellen diese dann der Stadtplanung zur Verfügung.“ So wird in einem Zug das Gebiet verkehrsrechtlich und zusammen mit den Versorgungsleitungen erschlossen. Herbert Schuck, der sich weiterhin regelmäßig zum Jour fixe mit seinen Kollegen im Rathaus trifft, profitiert von der neuen Teamarbeit. Er kann jetzt die Belange aller am Bau Beteiligten viel besser einbringen. „Durch die täglichen Informationsrunden erweitern wir auch ständig unser Wissen.“

Sören Lenz stimmt seinem Kollegen zu und ergänzt: „Alle müssen mehr als bisher über die Sparten hinaus denken. Es wird nicht mehr gesagt: Ich bin Stadt oder ich bin Stadtwerke, sondern wir wollen unser Bauprojekt möglichst gut abwickeln.“

Jürgen Weger, der mit für den Unterhalt der Straßen und Plätze verantwortlich ist, kann ebenfalls seine Belange frühzeitig einbringen. Auf dem Plan mag eine Grünfläche hübsch aussehen. Es lohnt sich aber, die in die Planung mit einzubeziehen, die die Flächen später pflegen. Denn nicht selten entwickeln sich gut gemeinte Grünflächen zu „Schmutzecken“.

Vieles, das wissen die Männer bei den Zentralen Diensten, fällt den Bürgerinnen und Bürgern erst dann auf, wenn es nicht mehr funktioniert. „Ich denke, wir haben schon einen gewissen Anteil daran, dass die Stadt funktioniert“, formuliert Jürgen Weger bescheiden. Und fügt hinzu: „Wenn es uns nicht gäbe, würde das, was sich in der Stadt so alles bewegt, nicht funktionieren.“ Ohne Straßen, ohne Kanäle, ohne Gas-, Wasser- und Stromleitungen wäre die moderne Stadt nämlich kaum denkbar. So gibt es in Schorndorf alleine 180 Kilometer Straße und darunter jede Menge Leitungen und Kanäle, „die gilt es, instand zu halten“.

Die Straßen, Wege, die Leitungen und Kanäle müssen nicht nur neu gebaut und verlegt werden, sondern ständig repariert und auf den neuesten Stand gebracht werden. Das kostet natürlich auch Geld. „Wir arbeiten in einem Bereich, der sehr kostenintensiv ist“, weiß Herbert Schuck. Durch die Zusammenlegung erhofft man sich auch hier Vorteile: Die Kosten sollen zum einen transparenter gemacht und zum anderen auch gesenkt werden.

Städte verändern sich, müssen auf veränderte Bedürfnisse und Anforderungen reagieren; Städte sind längst nicht mehr nur Verwaltungsbehörden. Oberbürgermeister Matthias Klopfer spricht gerne vom „Gesamtkonzern Stadt“. Städte sind dabei ihren Bürger gegenüber Dienstleister, stehen natürlich auch in der Konkurrenz zu anderen Kommunen.

Mit dem Zusammenschluss geht Schorndorf nun neue Wege. „In dieser Konstellation sind wir Pioniere“, sagt Herbert Schuck. Inhaltlich und auch in der Organisation – denn immerhin arbeiten nun in einem Büro Mitarbeiter, die in zwei Unternehmen angestellt sind.

Es gibt dafür Rahmenregeln, aber viel wichtiger ist es, „wie wir es leben“, sagt Jürgen Weger. „Wir sind gestartet und optimieren jeden Tag“, fügt Kollege Herbert Schuck hinzu.

Alles aus einer Hand: Vorteile für die Bürger in der Stadt

Sören Lenz freut sich, „wenn die Bürger sagen, bei denen läuft es aber“. Spürbar werden soll der Zusammenschluss nämlich für die Bürgerinnen und Bürger in Schorndorf auch in ganz konkreten alltäglichen Situationen. Zum Beispiel dann, wenn Menschen ein Haus bauen und sich um ihre Hausanschlüsse kümmern müssen. Die Zeiten, als man von einer Stelle in der Stadt zur anderen laufen musste, um Antragsformulare zu holen, gehören der Vergangenheit an. Künftig wird alles im Haus der Stadtwerke zentral abgewickelt. Der Satz „dafür bin ich nicht zuständig“, gehört damit ebenso der Vergangenheit an. Mit dem Zusammenschluss „haben wir die große Chance, die Kümmer-Funktion zu etablieren“, sagt Jürgen Weger. Bürgerinnen und Bürger, die eine Beschwerde haben, eine Information brauchen, werden in Zukunft einen Ansprechpartner haben.

Die Zentralen Dienste ziehen in den nächsten Jahren um. Es soll ein Neubau entstehen, in dem die Stadtwerke und die Zentralen Dienste einschließlich des bislang noch auf dem Baubetriebshofgelände in der Paulinenstraße angesiedelten Bereiches zusammengefasst werden.